Arena-Kapelle

Eine Kirche im Fußball-Stadion – immer noch eine ungewöhnliche Kombination

Man muss sich das mal vorstellen: da wird jemandem in Bielefeld die Augen verbunden und er wird nach Gelsenkirchen gefahren. Er hat keine Ahnung, wo er ist.
Er wird schließlich in einen Anzug gesteckt. Dann wird ihm die Binde von den Augen genommen. Er steht vor der Kapelle der Arena Auf Schalke und er ist überwältigt! Denn er ist von Herzen Schalker und er feiert seine Silberhochzeit. Seine Frau hat ihn mit der Feier an seinem Lieblingsort überrascht.
So erlebe ich es immer wieder. Menschen sind glücklich, wenn sie an diesem Ort sein können.

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Wie kam es zu dieser ersten deutschen Stadionkapelle?
Als der Verein in den 90-er Jahren die Arena geplant hat, da wünschte er sich wie Barcelona eine Kapelle im neuen Stadion. Die beiden großen Kirchen wurden gefragt, ob sie dabei mitmachen würden. Die Anfrage kam sehr überraschend und wurde kontrovers diskutiert. Eins war klar: Es durfte keine Zauberbude entstehen, in der man Kerzen für den Sieg anzündet oder gar einen „Fußballgott“ anbetet. Bei einer Ausschreibung wurde unter Mitwirkung der Kirche ein anspruchsvoller Raum gewählt, bewusst nicht blau-weiß gestaltet. Man geht durch ein großes Kreuz in den schwarz-weißen und weithin leeren Raum. An einer abstrakten Altarwand kann man hinter aller Dunkelheit das österliche Licht erahnen. Es wird also das zentrale Glaubensgeheimnis dargestellt. Wer in diesem Raum wie in einer Oase in einem ansonsten geschäftigen Stadion zur Ruhe kommen will, der soll diesen Weg Jesu innerlich mitgehen. Auf dem Platz wird um den Ball gekämpft, in der Kapelle geht es im inneren Kampf um die Sinnfragen des Lebens, die jeder nur für sich selbst beantworten kann. Wer sich darauf einlässt, wird hier in seinem Glauben gestärkt. Und als Pfarrer tue ich nichts anderes als in meiner Gemeindekirche: Ich bringe die Menschen in Kontakt mit dem gekreuzigten und auferstanden Herrn. Ich predige sein Wort und feiere seine Sakramente.

Gut 800 Kinder sind hier seit 2001 getauft worden und um die 200 Paare sind getraut worden. Dazu kommen noch die Jubelhochzeiten.

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Unzählige Gruppen und Kreise haben bei der Stadionbesichtigung auch die Kapelle aufgesucht: Messdiener und Konfirmanden, Presbyterien und Pfarrkonferenzen, Lehrer und Schulkassen, Diakone und Schützen.
Die Kapelle ist ein Ort, an dem das Thema „Kirche und Sport“ diskutiert wird.

Wenn die Kirche in einem Bundesligastadion zu finden ist, dann soll man spüren, dass die Kirche die Menschen mag. Als Pfarrer bin ich auch Fan meines Vereins. Und das verbindet stark, besonders auf Schalke! Aber so toll das Fußballerlebnis auch ist, es kann nicht alles sein. Auch daran erinnert die Kapelle. Einfach dadurch, dass sie an diesem Platz ist, nah am Platz, ganz nah an den Kabinen. An Spieltagen ist die Kapelle für die Spieler und Trainer geöffnet.

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Aber keine Kirche ist in erster Linie für die „Promis“ da, auch die Stadionkapelle nicht. Die Kapelle macht ganz ohne Worte deutlich, dass nicht der viel zählt, der viel verdient, sondern der, der von Gott geliebt wird. Alle haben den gleichen Wert und dieselbe Würde!

Aus all diesen Gründen können die Kirchen an diesem besonderen Ort segensreich wirken.
Gäbe es die Arena-Kapelle im Berger-Feld nicht, sie müsste glatt erfunden werden…
Wer in der Kapelle heiraten möchte, sein Kind taufen lassen möchte oder sie einfach mal besuchen möchte, der kann sich an mich wenden.

Pfarrer Norbert Filthaus